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29. August 20268 Min. Lesezeit

Wie viele Klausuren schreibt man in der Qualifikationsphase?

Wie viele Klausuren in der Qualifikationsphase wirklich anstehen: Regeln für Leistungskurs und Grundkurs, Beispiele aus vier Bundesländern und die Reduktion im letzten Halbjahr.

Wer zum ersten Mal einen Klausurplan für die Qualifikationsphase vor sich hat, fragt sich meist zuerst, wie viele Klausuren in den kommenden vier Halbjahren überhaupt anstehen. Die grobe Faustregel von zwei Klausuren pro Halbjahr stimmt für viele Fächer, aber nicht für alle, und im letzten Halbjahr vor dem Abitur gilt fast überall etwas anderes. Dieser Artikel zeigt, wie sich die Klausurzahl zusammensetzt, wie sich vier Bundesländer dabei unterscheiden und wie du deine eigene Zahl für die kommenden Halbjahre ermittelst.

Kurzantwort: So setzt sich die Klausurzahl zusammen

  • In den ersten drei Halbjahren der Qualifikationsphase schreiben Leistungskurse beziehungsweise Fächer mit erhöhtem Anforderungsniveau in mehreren Ländern zwei Klausuren pro Halbjahr, in anderen Ländern nur eine.
  • Grundkurse beziehungsweise Fächer mit grundlegendem Anforderungsniveau schreiben meist eine, teils aber ebenfalls zwei Klausuren pro Halbjahr, abhängig vom Land und von der Wochenstundenzahl des Fachs.
  • Im letzten Halbjahr vor dem Abitur sinkt die Klausurzahl in den meisten Ländern deutlich, weil die Prüfungsvorbereitung und die schriftliche Abiturprüfung selbst schon Leistungsnachweise ersetzen.
  • In welchen Fächern und wie oft geschrieben wird, regeln die Bundesländer eigenständig in ihrer Oberstufenverordnung, nicht die Kultusministerkonferenz bundesweit.
  • Eine Klausur kann in mehreren Ländern durch eine Facharbeit, ein Referat oder eine mündliche Prüfung ersetzt werden, wenn die Schule das vorher so festlegt.
  • Deine tatsächliche Zahl hängt von deiner Fächerkombination ab: Zahl und Art der Leistungskurse, Zahl der einzubringenden Grundkurse und dein Bundesland.

Klausur, Schulaufgabe oder sonstige Mitarbeit: kurze Begriffsklärung

Nicht jede Note in einem Kurs kommt aus einer Klausur. Die Kursabschlussnote setzt sich in fast allen Ländern aus zwei Bereichen zusammen: den unter Aufsicht geschriebenen Arbeiten, die je nach Land Klausur oder Schulaufgabe heißen, und allem anderen, was während des Unterrichts an Leistung entsteht, etwa mündliche Beiträge, Referate oder Tests. Wie diese beiden Bereiche gewichtet werden und wie die zweite Note zustande kommt, ist ein eigenes, umfangreiches Thema für sich. Dieser Artikel konzentriert sich ausschließlich auf die Frage, wie viele Klausuren beziehungsweise Schulaufgaben in welchem Halbjahr tatsächlich geschrieben werden.

Warum die Klausurzahl Ländersache ist

Die Vereinbarung der Kultusministerkonferenz zur Gestaltung der gymnasialen Oberstufe setzt einen groben Rahmen für die Gewichtung von Klausuren und sonstigen Leistungen, schreibt den Ländern aber keine feste Klausurzahl je Halbjahr vor. Genau hier setzen die Landesverordnungen an, und sie tun das unterschiedlich: Manche Länder verlangen in den ersten Halbjahren durchgehend zwei Klausuren in Leistungskursen und in ausgewählten Grundkursen, andere begnügen sich mit einer Arbeit pro Fach und Halbjahr, dafür über mehr Halbjahre hinweg. Für dich bedeutet das: Eine im Internet gefundene Zahl aus einem anderen Bundesland sagt nichts über deinen eigenen Stundenplan aus.

Wie viele Klausuren vier Bundesländer konkret vorschreiben

Die folgende Übersicht zeigt die zentrale Regel aus der amtlichen Verordnung von vier Ländern. Sonderfälle wie Sport, künstlerische Fächer oder neu einsetzende Fremdsprachen sind darin nicht enthalten, sie werden in den jeweiligen Verordnungen zusätzlich und teils abweichend geregelt.

BundeslandErste Halbjahre der QualifikationsphaseLetztes Halbjahr vor dem Abitur
Nordrhein-WestfalenIn beiden Leistungskursfächern und in mindestens zwei selbst gewählten Grundkursfächern je zwei Klausuren pro HalbjahrNur im ersten bis dritten Abiturfach je eine Klausur
BayernJe Fach höchstens eine Schulaufgabe pro Ausbildungsabschnitt, unabhängig vom AnforderungsniveauNur Fächer auf erhöhtem Anforderungsniveau und das Fach Sport schreiben im letzten Ausbildungsabschnitt noch eine Schulaufgabe
HessenIn Leistungskursen und vierstündigen Grundkursen je zwei Klausuren, in zwei- und dreistündigen Grundkursen je eine Klausur pro HalbjahrIn jedem Leistungskurs und jedem Grundkurs wird im Prüfungshalbjahr noch je eine Klausur geschrieben
Baden-WürttembergIn Leistungsfächern je zwei Klausuren, in Basisfächern außer Sport je eine Klausur pro HalbjahrLeistungsfächer schreiben im vierten Halbjahr mindestens eine Klausur, Basisfächer weiterhin mindestens eine je Halbjahr

Der Vergleich zeigt ein Muster und eine wichtige Ausnahme davon. Das Muster: In allen vier Ländern schreiben Leistungskurse beziehungsweise Fächer auf erhöhtem Niveau tendenziell öfter Klausuren als Grundkurse. Die Ausnahme betrifft das letzte Halbjahr. Nordrhein-Westfalen und Bayern reduzieren die Klausurzahl dort drastisch und lassen nur noch in den tatsächlichen Abiturfächern beziehungsweise Fächern mit erhöhtem Niveau schreiben. Hessen und Baden-Württemberg behalten dagegen in jedem Kurs mindestens eine Klausur bei, auch wenn das Fach gar nicht als Abiturprüfungsfach gewählt wurde.

Warum Leistungskurse öfter geprüft werden

Der Unterschied zwischen Leistungskurs und Grundkurs beziehungsweise erhöhtem und grundlegendem Anforderungsniveau ist keine reine Stundenzahl-Frage. Leistungskurse sollen laut den Verordnungen exemplarisch vertieftes, wissenschaftspropädeutisches Arbeiten vermitteln und bereiten in der Regel direkt auf ein mögliches Abiturprüfungsfach vor. Mehr Klausuren bedeuten hier zweierlei: mehr Gelegenheiten, den Ausbau komplexerer Aufgabenformate zu üben, und eine Note, die auf einer breiteren Datenbasis steht, bevor am Ende der Qualifikationsphase über die Zulassung zur Abiturprüfung entschieden wird. In Hessen zeigt sich das besonders deutlich: Vierstündige Grundkurse werden bei der Klausurzahl den Leistungskursen gleichgestellt, weil der Stundenumfang ähnlich hoch ist wie in einem Leistungskurs, während zwei- und dreistündige Kurse mit einer Klausur auskommen.

Warum die Klausurzahl im letzten Halbjahr sinkt

Das letzte Halbjahr der Qualifikationsphase ist gleichzeitig das Prüfungshalbjahr: Es endet mit der Zulassung zur Abiturprüfung und geht nahtlos in die schriftlichen und mündlichen Prüfungen über. Deshalb kürzen mehrere Länder hier bewusst die Zahl der Klausuren. Nordrhein-Westfalen etwa schreibt nur noch im ersten bis dritten Abiturfach je eine Klausur vor, alle anderen Kurse laufen ohne Klausur im engeren Sinn weiter und werden nur noch über die fortlaufende Mitarbeit bewertet. Bayern begrenzt die Schulaufgabe im letzten Ausbildungsabschnitt auf Fächer mit erhöhtem Niveau und das Fach Sport. Der Gedanke dahinter ist derselbe wie bei der insgesamt sinkenden Kursbelastung im letzten Halbjahr: Zeit und Aufmerksamkeit sollen sich auf die eigentliche Abiturprüfung konzentrieren, statt sich über viele parallele Klausurtermine zu verteilen. Hessen und Baden-Württemberg wählen einen anderen Weg und lassen im letzten Halbjahr in jedem Kurs mindestens eine Klausur bestehen, allerdings jeweils nur eine statt zwei.

So ermittelst du deine eigene Klausurzahl

Ein Beispiel aus Nordrhein-Westfalen macht das Prinzip konkret. Eine Schülerin hat die Leistungskurse Biologie und Englisch gewählt, dazu unter anderem die Grundkurse Deutsch, Mathematik und Geschichte, wobei Deutsch und Mathematik zu ihren mindestens zwei selbst gewählten Grundkursfächern mit Klausuren zählen. In den ersten drei Halbjahren schreibt sie damit in Biologie, Englisch, Deutsch und Mathematik je zwei Klausuren pro Halbjahr, macht 4 mal 2 mal 3 gleich 24 Klausuren allein in diesen vier Fächern über drei Halbjahre. Im vierten, letzten Halbjahr reduziert sich das schlagartig: Nur wenn eines dieser Fächer auch tatsächlich als erstes bis drittes Abiturfach gewählt wird, kommt dort noch eine einzige Klausur dazu, alle anderen Fächer schreiben in diesem Halbjahr keine Klausur mehr.

  1. Liste alle Fächer auf, die du in der Qualifikationsphase belegst, und markiere, welche davon Leistungskurse beziehungsweise Fächer mit erhöhtem Anforderungsniveau sind.
  2. Prüfe in der Verordnung deines Landes oder bei deiner Oberstufenkoordination, welche deiner Grundkurse zu den Fächern mit Klausuren zählen, denn das sind in mehreren Ländern nicht automatisch alle.
  3. Trage für die ersten drei Halbjahre die jeweilige Klausurzahl pro Fach ein und addiere sie zu einer Gesamtzahl je Halbjahr.
  4. Kläre frühzeitig, welche deiner Fächer im letzten Halbjahr voraussichtlich noch eine Klausur vorsehen, meist sind das nur deine tatsächlichen Abiturprüfungsfächer.
  5. Trage alle Termine anschließend in einen gemeinsamen Kalender ein, sobald sie feststehen, damit du Klausurdichte pro Woche früh erkennst.

Wo die verbindlichen Vorgaben offiziell stehen

Die verbindliche Grundlage ist immer die Oberstufen- oder Abiturverordnung deines Landes, in Nordrhein-Westfalen die APO-GOSt, in Bayern die Gymnasialschulordnung, in Hessen die Oberstufen- und Abiturverordnung, in Baden-Württemberg die Abiturverordnung Gymnasien der Normalform. Diese Verordnungen stehen in der Regel kostenlos im jeweiligen Landesrecht-Portal oder auf der Seite des Kultusministeriums. Innerhalb dieses Rahmens legt oft zusätzlich die Fachkonferenz deiner Schule fest, in welchem Halbjahr genau eine Klausur zum Beispiel durch eine Facharbeit oder eine mündliche Prüfung ersetzt wird. Die schnellste verlässliche Auskunft für deine konkrete Fächerkombination bekommst du deshalb nicht aus einem Forum, sondern von deiner Oberstufenkoordination oder direkt von der jeweiligen Fachlehrkraft.

Häufige Fehler bei der Einschätzung der Klausurzahl

  • Eine im Internet gefundene Zahl aus einem anderen Bundesland ungeprüft auf die eigene Schule übertragen, obwohl die Verordnungen deutlich voneinander abweichen.
  • Annehmen, dass im letzten Halbjahr überall noch in allen Fächern Klausuren geschrieben werden, obwohl das in mehreren Ländern nur noch für die tatsächlichen Abiturfächer gilt.
  • Übersehen, dass in manchen Ländern nicht automatisch jeder Grundkurs ein Fach mit Klausuren ist, sondern nur eine vorgeschriebene Mindestzahl selbst gewählter Kurse.
  • Die Möglichkeit vergessen, dass eine Klausur durch eine Facharbeit, ein Referat oder eine mündliche Prüfung ersetzt werden kann, und dadurch mit einer falschen Zahl planen.
  • Sonderregeln für einzelne Fächer wie Sport, künstlerische Fächer oder neu einsetzende Fremdsprachen ignorieren, obwohl sie die reine Fächer-Faustregel oft durchbrechen.
  • Erst kurz vor dem jeweiligen Halbjahr nachfragen, wie viele Klausuren anstehen, statt die Zahl zu Beginn der Qualifikationsphase für die gesamte Fächerkombination einmal komplett zu klären.

Handlungsplan in fünf Schritten

  1. Besorge dir zu Beginn der Qualifikationsphase die aktuelle Oberstufenverordnung deines Landes oder frag deine Oberstufenkoordination nach einer Übersicht der Klausurregeln.
  2. Erstelle eine Tabelle mit all deinen Fächern und trage für jedes Halbjahr die vorgeschriebene Klausurzahl ein, inklusive der Reduktion im letzten Halbjahr.
  3. Kläre, welche Klausur in welchem Fach möglicherweise durch eine Facharbeit, ein Referat oder eine mündliche Prüfung ersetzt wird, und wann diese Entscheidung fällt.
  4. Aktualisiere die Tabelle jedes Halbjahr neu, sobald die konkreten Termine feststehen, und gleiche sie mit der Obergrenze an Klausuren pro Woche ab.
  5. Nutze die Gesamtzahl als Grundlage für deine Lernplanung über die gesamte Qualifikationsphase, statt jedes Halbjahr einzeln und ohne Überblick zu planen.

Quellen

Häufige Fragen

Wie viele Klausuren schreibt man normalerweise pro Halbjahr in der Qualifikationsphase?

Das hängt vom Bundesland und vom Fach ab. In mehreren Ländern schreiben Leistungskurse in den ersten drei Halbjahren zwei Klausuren, Grundkurse je nach Land eine oder zwei. Andere Länder wie Bayern begrenzen jedes Fach auf höchstens eine Schulaufgabe pro Ausbildungsabschnitt.

Warum sinkt die Klausurzahl im letzten Halbjahr vor dem Abitur?

Das letzte Halbjahr ist zugleich das Prüfungshalbjahr und geht in die Abiturprüfung über. Mehrere Länder reduzieren deshalb die Klausurzahl auf die tatsächlichen Abiturprüfungsfächer oder auf Fächer mit erhöhtem Anforderungsniveau, damit sich Zeit und Aufmerksamkeit auf die Prüfung selbst konzentrieren können.

Schreiben Leistungskurse immer mehr Klausuren als Grundkurse?

In der Tendenz ja, aber nicht überall gleich stark. In Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg schreiben Leistungskurse in den ersten Halbjahren zwei Klausuren gegenüber teils nur einer in Grundkursen. In Bayern gibt es diesen Unterschied in den ersten Ausbildungsabschnitten dagegen nicht, dort schreibt jedes Fach höchstens eine Schulaufgabe.

Kann eine Klausur durch etwas anderes ersetzt werden?

In mehreren Ländern ja. Nordrhein-Westfalen erlaubt den Ersatz einer Klausur durch eine Facharbeit, in modernen Fremdsprachen auch durch eine mündliche Leistungsüberprüfung. Auch andere Länder kennen ähnliche Ersatzformen wie Referate oder fachpraktische Prüfungen. Ob und wann das gilt, entscheidet die Schule beziehungsweise Fachkonferenz.

Zählt jeder belegte Grundkurs automatisch als Fach mit Klausuren?

Nicht überall. In Nordrhein-Westfalen etwa müssen mindestens zwei selbst gewählte Grundkursfächer Klausuren enthalten, darunter bestimmte Pflichtfächer, aber nicht zwingend jeder belegte Grundkurs. Kläre das für deine Fächerkombination direkt mit deiner Oberstufenkoordination.

Wo finde ich die verbindliche Klausurzahl für mein Bundesland?

In der Oberstufen- oder Abiturverordnung deines Landes, etwa der APO-GOSt in Nordrhein-Westfalen oder der GSO in Bayern. Diese Texte stehen kostenlos im jeweiligen Landesrecht-Portal. Für deine persönliche Fächerkombination ist zusätzlich die Auskunft deiner Oberstufenkoordination sinnvoll, weil einzelne Fächer oft eigene Sonderregeln haben.

Gibt es eine bundesweit einheitliche Klausurzahl?

Nein. Die Kultusministerkonferenz regelt in ihrer Vereinbarung zur gymnasialen Oberstufe die grobe Gewichtung zwischen Klausuren und sonstigen Leistungen, überlässt die konkrete Zahl der Klausuren je Fach und Halbjahr aber den einzelnen Bundesländern.

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